


Schritt 2:
Zusammenleben mit dem engen Umfeld.
Du weißt inzwischen recht gut Bescheid, welche Lebensmittel Gluten enthalten, wo „Fallen lauern“, welche echten Alternativen es für deine wichtigsten Bedürfnisse gibt und wie du deinen Alltag erfolgreich ausgewogen und glutenfrei meisterst.
Egal ob bei der Familie oder den besten Freunden: auch hier gibt es Gluten-Fallen, klassische Gerichte, Essgewohnheiten und am Anfang vor allem Unsicherheit.
Ziel ist es, die ungewollte Sonderrolle beim Essen abzulegen, dafür zu sensibilisieren, dass auch kleine Mengen Gluten (ja, auch ganz, ganz kleine Mengen) ggf. problematisch sind und sich vollkommen wohl bei seinen Liebsten zu fühlen.
Jetzt soll es darum gehen, das Zusammenleben in deinem näheren Umfeld glutenfrei, unkompliziert und ohne „Futterneid“ zu meistern.
Du sollst dich richtig wohl und sicher vor "Gluten-Fallen" fühlen im Kreise der engen Freunde und der Familie.
„Was darfst du jetzt nicht essen?“ „Oh, nein, keine Nusstorte mehr?“ „Ach, das bisschen Mehl in der Sauce...“ „Käse ist ok, oder?“ „Was? In der Gewürzmischung ist Mehl?“ „So schlimm wird es wohl nicht sein.." „Das ist jetzt Mode, oder?" „Jetzt habe ich gar nichts für dich hier.."
Vielleicht kommt dir Einiges davon bekannt vor. Vermutlich kannst du schon einiges nicht mehr hören. Mir erging es zumindest so. Das ständige Erklären und Nicht-Teilhaben an vertrauten Essens-Ritualen nervte mich. Gleichzeitig möchte ich niemandem zur Last fallen und andere nicht in ihrer GastgeberInnen-Rolle verunsichern oder kränken.
Es geht um deine Gesundheit. Klar, du möchtest niemandem vor den Kopf stoßen, keine Sonderrolle einnehmen und ganz frei essen, aber am Ende dankt es dir dein Körper, wenn du dich zugunsten deiner Gesundheit ernährst. Nach und nach werden sich neue Routinen einstellen. Mit der Zeit vermisst man kaum noch was. (Ich möchte ehrlich sein- beim Duft von Mamas selbstgebackenem Brot, bzw. "Stuten" wie man Norddeutsch sagt, muss ich mir immer noch auf die Zuge beißen...).
Das Umfeld weiß mehr und mehr Bescheid: Oft bin ich sehr gerührt, wenn meine Freunde völlig selbstverständlich das Restaurant auf glutenfreie Angebote vorm Essen gehen kontrolliert, mir von meiner Tante glutenfreier Kuchen zum Geburtstag geschenkt wird und meine Schwester Brezeln ohne Gluten für mich kauft. Auch hier bin ich ehrlich: manche fragen immer noch, ob Käse Gluten enthält. Es mag nervig sein, aber: Vorsicht ist sehr viel besser als Rücksichtslosigkeit!
Meine Herangehensweisen für eine gelungene glutenfreie Lebensweise im näheren Umfeld:
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Geduldig bleiben und aufklären. Manchmal hat man wirklich keine Lust mehr zu sagen, was alles Gluten enthält, dass man echt keine Ausnahmen machen kann und, dass schon kleine Mengen zu Entzündungen im Darm führen. Es ist aber wichtig, dieses deutlich zu machen. Unwissenheit ist keine böse Absicht. Erkläre lieber zum 28-mal, welche Lebensmittel Gluten enthalten und warum es relevant ist die Zutatenlisten zu lesen. Weise auch auf Rückstände in Küchengeräten, Schneidebrettern, Toaster, Backofen, an Messerspitzen, welche in die gemeinsam genutzte Marmelade gelangen und verstecktes Gluten in Bier, Gewürzmischungen oder Suppen hin.
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Konsequent bleiben und auf glutenfreie Lebensmittel konzentrieren. Wenn der Geduldsfaden schmaler wird, steigt ggf. die Trotz-Grenze und die Sehnsüchte nach den bekannten Leckereien, dem Festschmaus und der Geburtstagstorte steigen Es kann am Anfang unschön und anstrengend werden. Halte durch, konzentriere dich auf das, was kein Gluten enthält. Es ist mehr als man am Anfang sieht.
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Um Mithilfe bitten. Jetzt hast du einiges getan. Von deinen Liebsten darfst du auch ein bisschen Unterstützung einfordern. In der Regel sind sie sehr froh, wenn es "Anweisungen" gibt und helfen gerne.
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Bitte deine Freunde eine Packung glutenfreie Brötchen einzufrieren (in einer Plastiktüte geschützt vor klassischen Broten). So kannst du spontan sein, hast vor Ort immer was zu essen, dass du passend herzhaft oder süß belegen oder als Beilage nutzen kannst. Genauso ist es mit Keksen oder Knabber-Kram: Je nachdem, was ihr zusammen macht, bietet es sich, an eine glutenfreie Alternative auf Vorrat zu haben.
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Bitte deine Freunde und die Familie um Vorsicht und Rücksicht, damit es nicht zu Gluten-Fallen außerhalb deines Haushalts kommt.
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Probiert zusammen neue Rezepte aus. Sehr viele Gerichte und Lebensmittel enthalten ganz von alleine kein Gluten. Es kann sehr unkompliziert sein ohne Guten zu essen, wenn man möchte. (Anfragen für individuelle Beratung nehme ich gerne entgehen)
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Geht doch mal zu einem neuen Ort essen. Auch hier ist Vorsicht und Wissen der KöchInnen und KellnerInnen geboten. Aber einige Küchen sind von sich aus quasi glutenfrei: wie wäre es mit Bretonische Galettes aus Buchweizenmehl oder Sushi? (Mehr zum Essen gehen in Schritt 3 "erweitertes Umfeld".)
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Vorbereitet sein. Das klingt simpel, das ist auch simpel und dennoch Gold wert. Mit der Zeit wird die Vorbereitung zum Automatismus.
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Bringe dir, besonders am Anfang, was mit, dass du magst und verträgst. Am besten zu bringst genug mit, dass andere probieren können. Wenn das Interesse an glutenfreien Produkten da ist, wäre es doch schade, dem nicht gerecht werden zu können. Selbst gebackene Kreationen und Ergebnisse eigener Kochkünste bieten sich an, auch die Bandbreite an kaufbaren glutenfreien Fertigprodukten nimmt immer weiter zu und bringt eine Auswahl mit sich. Sollte die mitgebrachten Köstlichkeiten den anderen unverhoffter weise nicht schmecken, lasse dich nicht entmutigen!
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Informiere dich vorher, welche glutenfreien Lebensmittel es vor Ort gibt. Egal ob beim Familienbrunch oder beim Treffen mit Freunden zum Mittagstisch: Absprachen, Speisekarten studieren und Anrufe im Vorfeld sind zum Teil lästig, aber unbedingt ratsam und sorgen für entspannte Stunden beim Zusammentreffen.
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Übrigens: den Kuchen und die Herzchen-Muffins oben auf dieser Seite haben meine lieben Uni-Mädels für mich gebacken. Sie hörten mit bei meinen Schwärmereien über Rezept-Seiten und Ideen rund ums glutenfreie Backen zu und wagten sich äußerst erfolgreich an einen Geburtstagskuchen für mich!


